Krankenversicherung für Beamte in Hessen
Wie Beihilfe funktioniert, woran man einen guten Tarif erkennt und was der Beitrag im Alter macht.
Beihilfe in einfachen Worten
Als Beamtin bekommst du von deinem Dienstherrn einen Zuschuss zu deinen Krankheitskosten. Nicht als monatlichen Betrag, sondern als Erstattung: Du reichst eine Rechnung ein, ein festgelegter Prozentsatz wird übernommen. Den Rest musst du selbst versichern — dafür gibt es Tarife, die genau auf diese Lücke zugeschnitten sind.
Der Prozentsatz hängt davon ab, in welchem Status du bist und wer zu deiner Familie gehört. Er ändert sich im Lauf des Berufslebens — und im Ruhestand steigt er noch einmal deutlich. Hessen rechnet dabei anders als der Bund: Statt fester Stufen gibt es ein Staffelmodell, das mit jeder berücksichtigungsfähigen Person um fünf Punkte steigt.
Stand: § 15 Hessische Beihilfeverordnung. Die Sätze gelten für beihilfefähige Aufwendungen — was die Verordnung ausschließt oder deckelt, bleibt vollständig bei dir. Genau daran entscheidet sich, ob ein Tarif trägt.
Was Hessen sonst noch anders macht
Gesetzlich oder privat
Gesetzlich
Der Beitrag richtet sich nach dem Einkommen, nicht nach Alter oder Gesundheit. Als Beamtin zahlst du ihn allerdings vollständig selbst — es gibt keinen Arbeitgeber, der die Hälfte übernimmt. Manche Bundesländer zahlen inzwischen eine pauschale Beihilfe als Ausgleich. Hessen gehört nicht dazu — hier trägst du den vollen Beitrag allein.
Privat
Der Beitrag richtet sich nach Eintrittsalter, Gesundheit und gewähltem Umfang — und die Beihilfe wirkt wie ein dauerhafter Rabatt auf den gesamten Beitrag. Je nach Status und Familiensituation liegt dieser Rabatt zwischen 50 und 70 Prozent. Du versicherst nur den Rest.
Was die gesetzliche Kasse tatsächlich kostet
Der Beitrag setzt sich aus drei Teilen zusammen: dem Beitragssatz zur Krankenversicherung, der bundesweit festgelegt ist, dem Zusatzbeitrag, den jede Kasse selbst bestimmt, und der Pflegepflichtversicherung.
Beim ersten Teil gibt es zwei Sätze. Der ermäßigte von 14,0 Prozent gilt, wenn man auf Krankengeld verzichtet — und genau das ist für Beamtinnen und Beamte sinnvoll: Während einer Erkrankung läuft deine Besoldung weiter. Krankengeld ersetzt einen Verdienstausfall, den es bei dir gar nicht gibt. Dafür zu zahlen wäre verschenktes Geld.
Gerechnet an einer verbeamteten Lehrkraft in Hessen, Besoldungsgruppe A 13, erste Erfahrungsstufe, ledig und ohne Kinder — also am Berufseinstieg nach dem Referendariat:
Mit Krankengeldanspruch gilt der allgemeine Satz von 14,6 Prozent, der Beitrag steigt dann auf 1.089,01 € — sinnvoll ist das aus dem genannten Grund nicht. Mit Kindern sinkt der Pflegebeitrag von 4,2 auf 3,6 Prozent, der Gesamtbetrag liegt dann bei rund 1.029 €. Der Zusatzbeitrag schwankt je nach Kasse deutlich, nach oben wie nach unten. Stand: 2026.
Die Gegenüberstellung
Rund 1.060 € im Monat — den vollen Betrag, allein, ohne jede Beteiligung des Dienstherrn. Das ist die gesetzliche Variante für eine Lehrkraft in Hessen.
In der privaten Krankenversicherung übernimmt die Beihilfe den größten Teil, und du versicherst nur die verbleibende Lücke. Was das konkret kostet, hängt von Eintrittsalter, Gesundheit und gewähltem Umfang ab — deshalb nenne ich hier bewusst keine Zahl, die für dich ohnehin nicht stimmen würde. Aus meiner Beratungspraxis: Die Ersparnis liegt in aller Regel bei mehr als der Hälfte — bei besseren Leistungen. Wie groß der Unterschied bei dir ausfällt, hängt vor allem von deinem Eintrittsalter ab.
Für Beamtinnen und Beamte in Hessen ist die private Krankenversicherung damit in aller Regel sowohl die günstigere als auch die leistungsstärkere Wahl. Die eine Voraussetzung: Der Gesundheitszustand muss passen — und ob er das tut, klären wir vorab und anonym, bevor irgendwo ein Antrag liegt.
Woran man einen guten Tarif erkennt
Der Beitrag im Alter
Die häufigste Sorge, und sie ist berechtigt. Ja, private Beiträge steigen über die Jahre. Nein, das führt nicht zwangsläufig zu einem unbezahlbaren Beitrag im Ruhestand. Drei Dinge wirken dagegen.
Dein Beihilfesatz steigt
Als Versorgungsempfängerin bekommst du 70 statt 50 Prozent. Du versicherst dann nur noch 30 Prozent der Kosten — an dieser Stelle sinkt dein Beitrag also.
Dein Versicherer legt zurück
Ein Teil deines Beitrags fließt von Anfang an in Alterungsrückstellungen, dazu kommt ein gesetzlicher Zuschlag. Beides federt den Anstieg ab.
Und du baust selbst etwas auf
Der wirksamste Hebel, und der einzige, den du steuerst — über einen Beitragsentlastungstarif oder frei angespart. Wer diesen Punkt weglässt, hat später ein Problem, das mit dem Tarif nichts zu tun hat.
Beim Vergleich zählt deshalb etwas, das man einem Tarif nicht ansieht: Wie hat er sich in den letzten zehn bis zwanzig Jahren entwickelt? Ein günstiger Einstiegsbeitrag ist kein Qualitätsmerkmal — er kann auch bedeuten, dass zu knapp kalkuliert wurde.
Zum Nachlesen
Für alle, die vor dem Referendariat stehen, habe ich das Wichtigste in einem Leitfaden zusammengefasst — mit den Beihilfesätzen für Hessen, einer Beispielrechnung und einer Checkliste für die Tarifwahl.
Häufige Fragen
Komme ich aus der privaten Versicherung wieder heraus?
In der Regel nicht ohne Weiteres. Deshalb ist die Entscheidung eine, für die man sich Zeit nehmen sollte.
Was passiert bei Kindern?
Dein eigener Satz steigt um fünf Punkte je Kind, ab dem zweiten Kind auf 70 Prozent. Das Kind selbst bekommt einen eigenen Satz von 80 Prozent. Privat zu versichern bleiben also nur 20 Prozent — die Absicherung kostet deshalb oft kaum etwas.
Dein Kind hat damit von Anfang an den privaten Status: gute Leistungen und in der Regel deutlich kürzere Wartezeiten auf Facharzttermine.
Entscheidend ist der Zeitpunkt: Nach der Geburt bleiben zwei Monate, um das Kind anzumelden. Wird die Frist eingehalten, wird es ohne Gesundheitsfragen aufgenommen und ist rückwirkend ab dem Tag der Geburt versichert. Sag mir deshalb früh Bescheid, wenn Nachwuchs ansteht — es gibt ein paar Voraussetzungen, die wir vorher klären sollten.
Ich habe Vorerkrankungen. Bekomme ich überhaupt einen Tarif?
Oft ja, manchmal mit Zuschlag. Eine anonyme Voranfrage klärt das, ohne dass irgendwo eine Ablehnung gespeichert wird.
Was kostet die Beratung?
Nichts. Ich werde über Provisionen oder Honorar bezahlt und sage dir vorher, was gilt.